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Gegen eine kreativwirtschaftliche „Funkstille“
Diskussion im forum mozartplatz
Im forum mozartplatz diskutierten Experten moderiert von Kurier-Kulturressortleiter Gert Korentschnig unter dem Titel „Funkstille?“ Wünsche, Visionen und marktwirtschaftliche Realitäten für kreatives österreichisches Fernsehen. Weit über 200 Gäste folgten der spannenden Diskussion.

Als Obfrau des Vereins forum mozartplatz präsentierte Anja Hasenlechner den Trailer zu „CC“, einem möglichen TV-Format für die Kreativwirtschaft, das von von Michael Dürr, Tomas Ruzicka, Monica Montero und Christian Spath produziert wurde:

"Die Diskussion „Funkstille“ hat uns gezeigt, wie wichtig der Dialog zwischen Kreativwirtschaft und Fernsehsendern ist. Dabei geht es einerseits um Chancen für junge Programm-Macher, andererseits aber natürlich auch um die Berichterstattung über die Kreativwirtschaft, ihre Unternehmen und ihre Leistungen. Die Aufforderung, hier mehr zu tun, richtet sich an alle – an die Privatsender und im besonderen Maße ORF. Sowohl Andrea Dusls Vorschlag von fiktionalen Programmangeboten bei Privatsendern, wie auch der Wunsch von Marie-Therese Harnoncourt „Quoten-unabhängigen Zone“ für Experimente im ORF haben etwas für sich," fasst Anja Hasenlechner die Inhalte der Diskussion zusammen. Die Aufforderung richtet sich auch an die Kreativen: "Der bei der Diskussion vorgestellte Teaser zu einem möglichen neuen Kreativwirtschaftsmagazin „CC“ lässt die Hoffnung aufkeimen, dass die Kreativwirtschaft auch im Fernsehen eine eigene starke Stimme bekommt. Von Kreativen gemacht, für Kreative und das Publikum, das derzeit lieber arte, 3sat oder experimentelle Zonen ausländischer Privatsender wählt."

Foto: Johann Tanzer

Markus Breitenecker, Anja Hasenlechner, Andrea Maria Dusl, Marie-Therese Harnoncourt und Pius Strobl

Zusammenfassung der Diskussion:

Die Architektin Marie-Therese Harnoncourt plädierte für ein von jungen Kreativen produziertes, nicht-quotenabhängiges Kulturformat, das Experimente zulässt. Weiters merkte sie an: „Wenn das Interesse an der Berührung mit einem anderen Publikum besteht, sollte man Kulturformate früher bringen.“ Es brauche mehr öffentliches Interesse, dass das kreativwirtschaftliche Experimentierfeld – eine „quotenunabhängige Zone“ im ORF Wirklichkeit wird. Sie selbst ließe sich gerne von Sendern wie Arte und Themenstrecken begeistern, die sie derzeit im ORF vermisst. Auch sollten private Sender sich um öffentliche Gelder für die Produktion von öffentlich-rechtlichem Programm bewerben können.

ORF-Unternehmenssprecher Pius Strobl verwies auf die erneuerte Kulturleiste und viele anerkannte Beispiele für öffentlich-rechtliche Programmänderungen in der neuen Geschäftsführung – von der unbestrittenen Information über kreuz&quer dem europäischen Film etc. und „nach der allgemeinen Definition zählen rund 2.200 ORF-Mitarbeiter zum Kreativbereich, die nicht nur für Eigenproduktionen verantwortlich sind, sondern auch dafür, dass 2008 95 Mio. Euro in österreichische Produktionen und damit in die Kreativwirtschaft investiert werden. Wir werden aber nicht nur an der Qualität gemessen, sondern auch an der Quote, und wenn diese fehlt, kommt sofort die öffentliche Kritik. In vielen öffentlich-rechtlichen Kernbereichen zeigt der ORF vor, was ihn von Privaten unterscheidet. Durch die privaten deutschen Werbefenster werden 2010 300 Mio. Euro Werbegelder aus Österreich abgezogen, die für österreichische Produktionen fehlen.“ Aus der Gebührenvalorisierung ab Juni 2008 kämen nun 15 Mio. Euro zusätzlich für österreichische Auftragsproduktionen zum Einsatz.

Die Autorin und Filmregisseurin Andrea Maria Dusl räumte mit einem ”kulturellen Mißverständnis” auf: ”Alles, was wir im Fernsehen empfangen, ist Kultur. Sport ist reine Kultur, auch der Opernball und Nachrichten. Ich fordere, dass das gesamte Fernsehen von Kreativen gemacht wird. Es gibt eine Sehnsucht der Kreativen, diese Bildermaschinen zu bedienen. Die österreichische Kulturindustrie sollte im Programm dieselbe Bedeutung erhalten wie die Schiindustrie. Im Sport werden Helden gemacht, warum passiert das nicht mit der Kreativwirtschaft?” Gutes österreichisches Fernsehen müsse nicht teuer, sondern intelligent sein. Dusl vermisse österreichische Fiction-Programme bei Puls 4 und anderen Sendern der ProSieben/Sat1-Gruppe, und auch beim ORF: „Es braucht bei allen Sendern ein Umdenken!“

puls 4-Chef Markus Breitenecker wiederum erklärte, die Werbeeinnahmen der ProSieben/Sat1-Gruppe aus den Werbefenstern würden auch in die Kreativwirtschaft – nämlich die Gestaltung der Programmfenster und Puls4 – investiert: „Wir liefern aus Österreich wesentlich weniger Geld nach Deutschland als der ORF“, erklärte er und verwies dabei auf die Ko-Produktionen des ORF. „Über Gebührenfragen soll künftig eine weisungsfrei gestellte Medienkommission entscheiden“, forderte Breitenecker. Würde man den öffentlich-rechtlichen Auftrag ausschreiben, und der beste Angebotsteller würde den Zuschlag bekommen, würden sich Private wie der ORF darum bemühen. Er rechnete damit, dass dann rund 20% der Gelder an die Privatsender gehen würden. Eigenproduzierte österreichische Fiction-Programme in den Programmfenstern bzw. bei Puls4 könne er sich nur leisten, wenn dem ORF – wie der BBC – entweder Werbung gänzlich verboten werde, oder die Privatsender einen Teil der Gebühren erhalten. Allerdings bot Breitenecker den Machern von „CC“ noch während der Diskussion Gespräche über die Realisierung eines Programmformats für die Kreativwirtschaft an. Ein solches könne beispielsweise im Spätabendprogramm laufen.
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